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DAS   THOMASEVANGELIUM

SPRÜCHEKATEGORIE  3

THOMASTEXT      INRI      ZENTRALFAKTUM      STICHWORTEXEGESE      EINFÜHRUNGSKURS

ZIEL       BEFÄHIGUNG       ANFORDERUNG       BEWAHRUNG       LOHN

 
 
 

 

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 

 

Wort zur Anforderung

Wie mit dem Begriff der "Aufnahme in sich" schon zum Ausdruck kommt, gilt es etwas oder jemanden in sich zu einer Fusion mit sich hereinzulassen. Dies ist deswegen eine Situation, zu deren Verwirklichung man selbst etwas beizutragen hat. Überwinden und Erkennen, Suchen und Finden, sowie Öffnen und Glauben, das sind die hierzu erforderlichen Eigenschaften, um die man sich strebend zu bemühen hat. Denn sie sind nun einmal keinem in die Wiege gelegt. Im Zuge dessen ergibt sich dann eine Berufung zu Berufenen. In ihrer Hinwendung auf das Eine das Alles ist, lassen sie ihre wahre Klugheit und Fähigkeit erkennen. Dadurch aber, dass hierbei eine Unmenge von hinderlichen Umständen auftauchen kann, sind von Jesus zur Bewusstmachung die Anforderungen mit einer entsprechend hohen Anzahl von Beispielen und Gleichnissen belegt worden.

 
 

 

 

001) Dies sind die geheimen Worte, die "Jesus der Lebendige" sprach, und die Judas Thomas - genannt Zwilling - aufgeschrieben hat. Und er sprach: Wer die Bedeutung dieser meiner Worte versteht, wird den Tod nicht schmecken.  Lohn und Anforderung

002) Jesus sprach: Wer sucht, der wird finden. Wer an das Innere pocht, dem wird geöffnet. Wer sucht, der suche weiter, bis er findet. Wenn er findet, wird er entsetzt sein, und wenn er entsetzt ist, wird er sich wundern. Über das All wird er herrschen und Ruhe finden.  Lohn und Anforderung

092) Jesus: Sucht, und ihr werdet finden. Aber damals fragtet ihr mich nach etwas und ich sagte es euch nicht. Jetzt, wo ich es euch sagen will, fragt ihr mich nicht danach.  Befähigung und Anforderung

094) Jesus: Wer sucht wird finden. Und wer anklopft, dem wird geöffnet werden.  Lohn und Anforderung

Gemeinsamer Nenner:

Die ernsthafte Selbst-Suche hat die Selbst-Findung zur Folge. Sie wiederum bringt den Finder die Allspiegelung, welche in die Selbst- und Welterkennung mündet.

Nur wer in sich selbst das Selbst aufgefunden und mit Licht gefüllt hat, sowie hierbei in Reflexion mit dem All geraten ist, wird in der Lage sein, einen Text wie eben dieses rätselhafte Thomasevangelium auf seinen Gehalt hin überprüfen und entschleiern zu können (001). Doch ist nicht etwa das Verständnis der Worte die verheißene Todesenthobenheit, sondern die vormalige Aufgefundenheit des Selbst zur eigenen Unvergänglichkeit über den systemisch notwendigen Tod hinaus.

Ohne eine welt- und selbstloslassende geistseelische Selbstentleerung ist keine Selbst-Findung möglich. Denn das Selbst logiert sozusagen im letzten Winkel der eigenen Mitte, und ist damit von absolut allem zugeschüttet. Einzig ein Akt der  totalen Freiräumung der Geistseele schafft die Leere und den Platz, wo man es ansprechen kann, sowie damit in sich zur Erscheinung bringend verwirklicht (= Fusion ). Dann aber tut sich die fassungslos machende Unendlichkeit des Raumes zu einem unsagbaren Frieden auf (= Allspiegelung ), der mit Seligkeit und Heiligkeit "über alles Weltmaß hinaus" ganz zutreffend zu beschreiben ist (002).

Wer aus sich selbst heraus in Einsamkeit sucht - also ohne irgendeine Zuhilfenahme der Welt samt Kirche und Sonstigem -, der wird zu guter Letzt fündig werden (092, 094). Denn die in absolut alles hinreichend satanische Zeitwelt - zu einem dem Selbst entgegengesetzten Nichtselbst - hat von daher ein ganz natürliches Interesse an der wirksamen Verhinderung einer jeglichen Selbst-Verwirklichung. Endet doch die Zeit in der final-kausalen Selbst-Gewordenheit, der überzeitlichen Selbstschnittstelle der Zeitwelt. Doch wegen ihrer zentralen Einbettung in die Zeit gibt es noch eine letzte kurze Frist des Nichtselbst bis zur Umschaltung auf die Zeitvollendetheit.

Zur Abgrenzung:

Das Selbst-Findungsereignis ist ein lebendiger Schicksalsakt der Unberechenbarkeit aus dem Alltagsgeschehen heraus, und aufgrunddessen absolut nicht zu erzwingen, oder gar mit kontemplativen Techniken zu erreichen! Jegliche Methodik muss bei einer so sensiblen Angelegenheit versagen, und wirkt absolut kontraproduktiv. Denn die Selbst-Findung ist das Ergebnis eines innerpersonalen Prozesses, der aus der eigenen Mitte heraus vom universalen Selbst eingeleitet und gespeist wird (Jes 45,5).

 
 
 

 

003) Jesus sagte: Wenn die euch verführen, sagen: Seht, das Reich ist oben im Himmel! Und sie hätten recht, dann kämen euch die Vögel am Himmel zuvor. Und wenn sie sagen: Seht, das Reich ist unten im Meer! Und sie hätten recht, dann kämen euch die Fische im Ozean zuvor. Denn das Reich ist in eurem Innern, und es ist außerhalb von euch. Indem ihr euch erkennt, werdet ihr auch erkannt, und ihr erkennt, dass ihr Kinder eines lebendigen Vaters seid. Aber erkennt ihr euch nicht, dann bleibt ihr in eurem Elend und seid das Elend selbst.  Ziel und Anforderung

020) Die Schüler baten Jesus: Sage uns doch, wie das Himmelreich aussieht! Er sprach zu ihnen: Gleich einem Senfkorn ist es kleiner als alle anderen Samen. Wenn es aber auf Land fällt, das man bebaut, dann treibt es einen großen Spross empor und wird zum Schutz für die Vögel am Himmel.  Anforderung

022) Jesus sah, wie Babys die Mutterbrust bekamen. Da sprach er zu seinen Schülern: Diese Säuglinge gleichen denen, die ins Reich kommen. Sie fragten ihn: Indem wir also uns klein machen, kommen wir ins Reich? Jesus aber sprach zu ihnen: Wenn ihr aus zwei eins macht; wenn ihr das Innere wie das Äußere, das Äußere wie das Innere und das Obere wie das Untere macht; wenn ihr Mann und Frau vereinigt, so dass der Mann nicht Mann und die Frau nicht Frau bleibt; wenn ihr mit neuen Augen seht, mit neuen Händen handelt, mit neuen Füßen geht und ein neues Bild aus euch macht – dann kommt ihr ins Reich.  Lohn und Anforderung

027) Jesus: Wenn ihr euch nicht der Welt enthaltet, werdet ihr das Reich nicht finden. Wenn ihr den Sabbat nicht wirklich zum Sabbat macht, werdet ihr den Vater nicht sehen.  Anforderung

082) Jesus: Wer mir nah ist, der ist dem Feuer nahe. Und wer mir fern ist, der ist fern vom Reich.  Anforderung

085) Jesus: Aus großer Kraft und aus großem Reichtum ist Adam entstanden, und dennoch war er euer nicht würdig. Denn wäre er es gewesen, dann hätte er den Tod nicht geschmeckt. Anforderung

097) Jesus: Das Reich des Vaters gleicht einer Frau, die einen Krug voll mit Mehl trug. Während sie einen weiten Weg ging, brach der Henkel des Kruges ab. Im Krug entstand ein Loch, durch das auf dem Weg hinter ihr Mehl verloren ging. Die Frau merkte nichts und ahnte nichts Böses. Doch als sie ins Haus trat und den Krug hinstellte, fand sie ihn leer.  Bewahrung und Anforderung

114) Simon Petrus forderte: Maria soll uns verlassen; denn Frauen verdienen das Leben nicht. Jesus aber sprach: Seht, ich werde sie führen und männlich machen, so dass sie ein lebendiger Geist wird, wie auch ihr Männer! Denn jede Frau, wenn sie sich männlich macht, geht ins Himmelreich ein.  Ziel und Anforderung

Gemeinsamer Nenner:

Ein noch umfassenderes Verständnis vom Selbst, als dem Himmel- und Gottesreich, und die zu seiner Erlangung erforderlichen Voraussetzungen.

Zu sagen, der Himmel sei die heiligende Seligkeit, wäre zwar nicht falsch, ist aber nur teilweise richtig. Denn das Reich Gottes etabliert sich zur Gänze in Kraft und Herrlichkeit erst mit der zeitvollendeten Umschaltung auf die Ewigkeitswelt (= Vollzogenheit ), der anderen Kehrseite des Daseins (= Vollzug ). Doch um sich im universalen Selbst befinden zu können, ist der Grund dafür in der Zeitwelt zu legen, was sich mit dem uremotionalen Selbst-Empfang erfüllt. Und weil das Selbst das lichte All selbst ist, wird derjenige, welcher es erkennt, auch wiederum nach dem Spiegelungsprinzip von ihm erkannt (003). Insofern dieser zentrale Sachverhalt den damaligen Leuten mangels entsprechender Vorbildung und Vorbereitetheit so gut wie nicht vermittelbar war, musste Jesus auf die bloße Verkündung von einem Reich abheben, dem je mehr man nach ihm strebt, dann durch Reflexion immer näher kommt (020).

Die Vereinheitlichung der Gegensätze durch geistseelische Selbsthingabe an den Partner liefert zugleich den sich Weggebenden an den Partner aus. Entstanden ist nun im Wegegebenen der ganzheitlich kosmische Mensch in der leibseelischen Einheit von Mann und Frau. Er ist nun der vereinheitlichungsgemäß neugeborene sowie zur Allmacht befähigte Adam, und damit das für die Weltgrundlegung bestimmte universale Selbst (022, 114).

Die Enthaltung von der Welt und "Sabbatmachung" bedeutet keine durchgehende Askese, sondern lediglich eine Prioritätensetzung im Hinblick auf die zu erlangenden Selbst-Erkenntnis, der man alles andere unterzuordnen hat. (027). Auf diesem Pfad wird man eher beiläufig und unerzwungen Jesus beständig näher kommen, aber auch schicksalhafte Zuspitzungen im gesellschaftlichen Umfeld bleiben nicht aus (082). Dennoch kann man bei diesem Selbst-Findungsmarsch durch irgendein Ereignis die Orientierung verlieren, und geht so am Ende mit viel Pech leer aus (097).

Anders verhält es sich bei Adam. Denn er ist nun derjenige, welcher war bevor er wurde, indem er durch seine Selbst-Hingabe an den Partner das mit der Vereinheitlichung entstandene universale Selbst bei sich verwirklicht hatte. Mitverwirklicht war dabei die Selbstschnittstelle des Alls, zur Ineinsfallung von Beginn und Schluss der Zeitwelt. Allein wegen des realen Unterschiedsgefälles "Anfang zu Ende", gibt es im Eden-Paradies der Genesis eine Aufteilung des Selbst. Dort ist Adam einerseits der uranfänglich nichtige Versager durch den Nichtgebrauch seiner Fähigkeiten (085), und andererseits aber der uranfänglich wertige Erfüller. Der Erfüller wiederum muss Gott sein, weil man eben im Null- und Totpunkt des Universums nur durch den Gebrauch der Allmacht erfüllen kann (= Vertreibung aus dem Paradies, = Urscheidung). Von daher ergibt sich das Bild von einem sündlosen Schöpfer und seinem sündigen Geschöpf. Doch schimmert Adam auch beim sündlosen Schöpfergott durch, als das Abbild - oder besser die Kopie - das Urbild prinzipiell originalgetreu wiedergibt (1Mo 1,27), wie zumindest ein jeder PC-Bildprogrammbenutzer weiß. Adam also in der Doppelnatur eines geschöpflichen Anfangs und schöpferischen Endes, das übersteigt selbst heute noch allgemein das Vorstellungsvermögen der Leute, so dass hier im Nachhinein den biblischen Genesis-Autoren - angesichts der fundamentalistischen Juden - für ihre Weisheit - der Aufteilung des universalen Selbst in sündigen Adam und strafenden Gott - großer Respekt zu zollen ist.

 
 
 

 

006) Seine Schüler baten und fragten Jesus: Willst du, dass wir fasten? Wie sollen wir beten und Spenden geben? Was für Nahrung sollen wir zu uns nehmen und welche meiden? Er aber antwortete: Sprecht keine Lügen und tut nicht, was ihr verabscheut!  Anforderung

014) Jesus: Wenn ihr fastet (und bleibt doch die alten), schafft ihr euch nur Sünde. Und wenn ihr betet, richtet ihr euch nur selbst. Und wenn ihr Almosen gebt, fügt ihr eurem Geist nur Schaden zu. Wenn ihr in irgendein Land geht und es durchwandert und wenn man euch dann aufnimmt, so esst, was man euch vorsetzt, und heilt die Kranken unter ihnen. Denn was hineingeht in euren Mund, verunreinigt euch nicht. Aber was aus eurem Munde heraus kommt, das ist es, was euch unrein macht.  Anforderung

Gemeinsamer Nenner:

Die flexible Anpassung bei der Selbst-Suche an die jeweiligen natürlichen Gegebenheiten von Leben, Umwelt und Gesellschaft.

Im Grunde genommen gibt es keinerlei Vorschriften und Rezepte, wie man bei seiner Selbst-Suche vorzugehen hat. So unterschiedlich wie die Menschen sind, so unterschiedlich gestalten sich dann auch Handhabungen von Situationen und Chancen. Jeder vorgegebene Ritus und diverse Selbstkasteiungen bewirken eher das Gegenteil des Beabsichtigten. Wozu soll fasten gut sein, außer zu körperlich-medizinischen Zwecken? Und wozu soll denn beten gut sein, außer zur Wiedereinfangung eines außer Tritt geratenen Gemüts, bzw. bedrohlichen depressiven Verstimmungen, oder ähnlichen brenzligen Engpässen zur inneren Beruhigung? Gott braucht auch gemäß Mt 6,8 keine Ansprache, um zu wissen, was für einen jeglichen gut ist. Und das kann nun genau das Gegenteil von dem sein, um das man bittet. Wichtig ist, dass man sich im Rahmen der Gebote bewegt, und selbst treu bleibt (006).

Wenn Hilfe gewährt werden soll, dann bitteschön keine Almosen, sondern richtige Hilfe zur Selbsthilfe, wie z.B. Heilungen. Bleibt man innerhalb der Gebote Gottes, so kann es an einem auch nichts auszusetzen geben. Doch sind es stets - wie ein jeder weiß - die abwertenden Äußerungen, die Ärger und Verdruss verbreiten (014). Ein solch selbstvergiftendes Verhalten bremst die Selbst-Suche möglicherweise bis auf Null, und sollte deshalb bei Gegebenheit schnellstens sein gelassen werden.

 
 
 

 

015) Jesus: Wenn ihr den von keiner Frau Geborenen seht, dann werft euch nieder auf euer Angesicht und verehrt ihn! Denn er ist euer Vater.  Anforderung

059) Jesus: Schaut nach dem Lebendigen aus, während ihr lebt! Sonst sucht ihr ihn, wenn ihr sterbt, und könnt ihn nicht sehen.  Anforderung

078) Jesus: Wozu seid ihr in die Wüste gekommen? Wolltet ihr sehen, wie ein Schilfrohr sich im Wind beugt? Wolltet ihr einen Menschen sehen, der weiche Kleider trägt? Dann geht zu Königen und vornehmen Leuten! Sie tragen weiche Kleider, und können die Wahrheit nicht erkennen.  Anforderung

091) Sie sprachen zu Jesus, Sage uns doch, wer du bist, damit wir an dich glauben. Er antwortete: Ihr prüft die Äußerlichkeit des Himmels und der Erde. Aber denjenigen, der vor euch steht, erkennt ihr nicht, und diesen Augenblick wisst ihr nicht zu prüfen.  Befähigung und Anforderung

Gemeinsamer Nenner:

Die wahre Identität von Jesus wird durch seine unscheinbare Äußerlichkeit völlig verdeckt. Er erscheint optisch als ein Mensch wie jeder andere.

Das Selbst des Daseins, das zugleich sowohl im transzendenten Urgrund der Welt als auch im tiefsten Inneren eines jeden Menschen antreffbar ist, trat in Jesus den Jüngern von Angesicht zu Angesicht gegenüber. Und seine Personifizierung des Alls lässt es alltagssprachlich zu Vater und Mutter allen Daseins bestehen. Sollte man aber jemals dieses in der Verborgenheit unzugängliche Ur-Licht (= transzendent) zu Gesicht bekommen - was nicht unmöglich aber über die Geistseele sehr selten ist - dann hätte man die Chance seines Lebens, und könnte sie sinnbildlich nur in der besagten Weise (015) nutzen. ( Ein solcher Fall wurde mit "Saulus zu Paulus" berühmte Geschichte )

Es gibt kein Leben nach dem Tod im Sinne einer Jenseitigkeitsfortsetzung, sodass man eben auch nicht im Tod den Herrn sehen oder ihm begegnen kann (059). Denn der auferstehliche Übergang aus der Zeit in die Ewigkeit trifft die Lebenden in ihrem hiesigen zweitweltlichen Leben, und daher nicht die Toten in ihrem Tod. Es ist wie schon gesagt die Binarität des Daseins, die zur einen Seite Tote für das Nichts braucht, damit es auf der anderen Seite Lebende für das Sein geben kann (051).

Die Selbst-Gefundenheit bringt den fast völligen Rückzug aus allen weltlichen Belangen mit sich, so dass da der Finder eine durch die Situation sich ergebende, quasi berufliche, gesellschaftliche und familiäre Ausgrenzung zum Eremiten erfährt. Von daher ist der Preis die materielle Bedürftigkeit, den man für die Dauer seines restzeitlichen Daseins oftmals zu bezahlen hat (078). Unter diesen Umständen wird es sehr schwer, einem verständlicherweise zweifelnden und unwilligen Publikum die Vorteilhaftigkeit eines in der Zeitwelt quasi nur als Bestellung möglichen Selbst-Seins zu vermitteln. Normalerweise ist dies so gut wie unmöglich, weshalb Jesu Verkündigung insgesamt nur über begleitend aufsehenerregende, so genannte Zeichen und Wunder zu bewerkstelligen war (091).

 
 
 

 

021) Maria sagte zu Jesus: Wem gleichen deine Jünger? Er sagte: Sie gleichen kleinen Kindern, die sich auf ein Feld gesetzt haben, das ihnen nicht gehört. Wenn aber die Eigentümer kommen und sagen: Verlasst unser Land, dann sind sie vor denen nackt, und müssen ihnen ihr Feld überlassen. Und ich sage euch, Wenn der Hausherr erfährt, dass sich ihm ein Dieb nähert, so wird er wachen und ihn zum Schutz seines Eigentums nicht in sein Hausreich eindringen lassen. Ihr aber wacht gegenüber der Welt. Gürtet euch um eure Lenden mit großer Kraft, damit die Räuber keinen Weg zu euch finden. Denn man wird die Frucht, die ihr erwartet, auf jeden Fall zu finden wissen. Mögen also unter euch verständige Menschen erstehen, die bei der Fruchtreife für die Ernte schnell mit der Sichel zur Hand sind. Wer Ohren hat zu hören, der höre.  Bewahrung und Anforderung

Thema:

Die Selbst-Hingabe an den Partner bringt die Vereinheitlichung zur überzeitlichen Selbstschnittstelle des Daseins (= Frucht) mit der Aufhebung des weltgrundlegenden Unterschiedes (= Dieb). Dies bedingt dann die sofortige, den weltgrundlegenden Unterschied wieder rückkoppelnde Urscheidung zu Nichts und Sein (= Sichel).

Welche sich ernsthaft auf die Suche nach dem Selbst begeben, entfremden sich der Welt, und werden deshalb in ihr nicht erfolgreich sein können (= man kann nicht gleichzeitig zwei Herren dienen, u.ä.).

Haben sie schließlich bei ihrer Selbst-Suche den erstrebten Erfolg, dann ist diese in ihnen neu entstandene lichte Selbst-Verbundenheit (= Teilhabe am Selbst, = etwas erzeugt haben, = die Habe, mit welcher man noch mehr bekommt) grundsätzlich von dem die Zeitwelt beherrschenden  Nichtselbst bedroht. Denn das Selbst ist ja der natürliche, auf Abstoßung beruhende Gegensatz zum Nichtselbst.

Dadurch, dass die Vereinheitlichung den weltgrundlegenden Unterschied aufhebt, wird dies zur erneuten Chance des im Selbst den Anfang personifizierenden Satans. Doch macht sein Angriff  auf das Ende absoluten Sinn, weil es ansonsten für das universale Selbst keinerlei Ausweg aus seiner Vereinheitlichungslethargie geben könnte. Der Angriff zwingt so das Selbst in die Selbstabstoßung, als den Unterschied von Anfang und Ende sowie auch die Binarität wiederherstellende weltgrundlegende Urscheidung. Der Anfänger im alles verkörpernden Selbst weiß hier noch nichts von einem den Anfang verkörpernden Zeitwelt-Leiche-Satan und erliegt so ihm, während aber der Beendiger das Erfahrungswissen besitzt, und nicht erliegend mit seiner Verwerfung Satans eben die Urscheidung vollzieht. Und so gibt sich hier ein zeitweltlicher Vollzug als das satanische Nichtselbst, sowie eine ewigkeitsweltliche Vollzogenheit als göttliches Selbst. (= das schon von Anbeginn bereitete, zur Unsichtbarkeit ausgebreitete Reich des Selbst - Jes 41,26 / Mt 25,37 ).

 
 
 

 

025) Jesus: Liebe deinen Bruder wie deine Seele! Hege ihn wie deinen Augapfel!  Anforderung

026) Jesus: Den Splitter im Auge deines Bruders siehst du. Den Balken aber vor deinen Augen siehst du nicht. Wenn du den Balken vor deinen Augen wegnimmst, dann siehst du genug, um den Splitter aus dem Auge deines Bruders zu ziehen.  Anforderung

028) Jesus: Ich stand mitten in der Welt und erschien ihnen im Fleisch. Alle fand ich trunken, keinen durstig, und meine Seele leidet um die Menschenkinder. Denn blind sind sie in ihrem Herzen und sehen nicht, dass sie leer in die Welt gekommen sind und alles tun, um leer wieder aus der Welt zu gehen. Noch sind sie trunken. Erst wenn sie ihren Wein ausgeschieden haben, werden sie sich bekehren.  Befähigung und Anforderung

034) Jesus: Wenn ein Blinder einen Blinden führt fallen beide in die Grube.  Anforderung

Gemeinsamer Nenner:

Die weltliche Verblendung ist ein sich auf alles beziehendes Massenphänomen.

Im Hinblick auf die je individuellen Eigenarten sollte der Selbst-Sucher Weggefährten oder Gesinnungsgenossen, und deren Art und Weise der Selbst-Suche nicht kritisieren (025, 026). Jeder hat seinen eigenen Weg zu finden und zu gehen. Doch wird man fast vergeblich nach ernsthaften Selbst-Suchern Ausschau halten, weil die Zeitwelt mit ihren Attraktionen und Bedürfnissen so gut wie alle in ihren stetigen Bann zieht (028). Da muss schon etwas ganz Gravierendes passieren, um einen die Kostbarkeit der Zeit begreifen zu lassen, und mit der Selbst-Suche zu beginnen. Für diese ist so der ganze aufbietbare Verstand und Wille einzusetzen, um nicht bei den allgegenwärtig raffiniert verführerischen Verhinderern in Gesellschaft und Kirche - sowie ganz besonders in der eigenen Familie - scheitern zu müssen (034).

 
 
 

 

031) Jesus: Kein Prophet ist in seinem Dorf willkommen, und kein Arzt heilt diejenigen, welche ihn kennen.  Anforderung

036) Jesus meinte: Sorgt euch nicht von früh bis spät und von Abend bis Morgen, was ihr anzuziehen habt. = Anforderung

037) Jesu Jünger fragten: Wann wirst du uns erscheinen, und wann werden wir dich sehen? Jesus entgegnete: Wenn ihr eure Furcht vor der Blöße ablegt, und eure Kleider nehmt, sie unter eure Füße legt wie die kleinen Kinder, und sie zertretet, dann werdet ihr den Sohn des Lebendigen sehen, und ihr werdet euch nicht fürchten.  Befähigung und Anforderung

038) Jesus: Oftmals habt ihr danach verlangt, diese Worte zu hören, die ich euch sage. Keinen anderen werdet ihr finden, sie von ihm zu hören. Es werden aber Tage kommen, an denen ihr mich suchen und nicht finden werdet.  Anforderung

Gemeinsamer Nenner:

Die missachtende Verkennung des Genies aus den eigenen Reihen ist feste Regel mit einer sehr langen Tradition.

Da hat man dieses ganz gewöhnliche Kind über Jahre hinweg aufwachsen sehen, und nun kommt er daher wie ein Irrer, und will uns was erzählen (031). Zum Beispiel, dass wir uns nicht sorgen sollen, ob wir etwas zu essen oder anzuziehen haben. Sollen wir etwa alle Klienten der Wohlfahrt werden und Sozialhilfe beziehen, oder wie stellt der sich das vor? Die harten Gesetze der Natur werden uns eingehen lassen, wenn wir unser Schicksal nicht wie bisher selbst in die Hand nehmen (036).

Wer so denkt, und nicht alles auf eine Karte setzend die Selbst-Suche wagt, wird den Lebendigen nicht an sich selbst erfahren können (038). Wer aber alle selbstverständlich gerechtfertigten Bedenken über Bord werfend sich dem unbekannten Schicksal einer ungesicherten Selbst-Suche ausliefert, macht Bekanntschaft mit nicht für möglich gehaltenen Begebnissen, die ihn auf dem direkten Weg zum universalen Selbst führen (037).

 
 
 

 

039) Jesus: Die Pharisäer und Schriftgelehrten haben die Schlüssel der Erkenntnis empfangen und haben sie versteckt. Selbst sind sie nicht hineingegangen, aber sie ließen auch diejenigen nicht hineingehen, die es wollten.  Anforderung

102) Jesus: Wehe den Pharisäern! Denn sie sind wie ein Hund, der am Trog der Rinder liegt. Er frisst nicht, und er lässt die Rinder nicht fressen.  Anforderung

Gemeinsamer Nenner:

Die mit der Zeitwelt verbundenen satanischen Verhinderer von allem was das Selbst betrifft, sitzen dort, wo sie es am besten können: Ausnahmslos in allen Kirchen, Vereinen, Organisationen und Gremien!

Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel! Um eine Sache erfolgreich verhindern und bekämpfen zu können, muss man sich dorthin begeben, wo sie entsteht und wächst, also an die Quelle (039, 102). Das ist sozusagen ein für alle Zeiten und Orte geltender Grundsatz, der dementsprechend stets viel Beachtung und Anwendung findet.

 
 
 

 

040) Jesus: Ein Weinstock, der außerhalb des Vaters gepflanzt wird, wächst nicht auf festem Grund. Er wird daher mit seinen Wurzeln ausgerissen und zugrunde gehen.  Anforderung

041) Jesus: Wer etwas in der Hand hat, dem wird gegeben. Und wer nicht genug hat, dem wird auch das, was er hat, weggenommen.  Anforderung

043) Seine Schüler fragten ihn: Wer bist du, der so zu uns sprichst? Er antwortete: Erkennt ihr aus dem, was ich sage, nicht, wer ich bin? Ach, ihr seid geworden wie die Juden! Die lieben den Baum und hassen die Frucht, oder sie lieben die Frucht und hassen den Baum.  Anforderung

044) Jesus: Wer den Vater und den Sohn lästert, dem wird vergeben werden. Wer aber den heiligen Geist lästert, dem wird nicht vergeben werden, weder auf Erden noch im Himmel.  Anforderung

055) Jesus führte aus: Wer Vater und Mutter nicht hasst, der kann nicht mein Jünger sein. Und wer Brüder und Schwestern nicht hasst und sein Kreuz trägt wie ich, der ist meiner nicht wert.  Anforderung

101) Jesus: Wer nicht Vater und Mutter hasst wie ich, der kann mir nicht folgen. Und wer nicht den Vater liebt und seine Mutter wie ich, der kann mir nicht folgen. Denn eine Mutter brachte mich zur Welt, aber die wahre Mutter gab mir das Leben.  Anforderung

Gemeinsamer Nenner:

Alles was sich keinen Anteil am Selbst erworben hat, fällt mit Zeitende dem Nichtsein für das an der Binarität bestandteilige Nichts zum Opfer.

Nur ein in der Zeitwelt zu erreichender Anteil am Selbst ist die Habe, mit der das Zeitweltende und der darin je eigene Tod zu überleben ist (040, 041). Wer über die Selbst-Gefundenheit Anteil am All-Leib Jesu erhalten hat, erfuhr dabei auch quasi eine Eichung, die ihn am Sinngehalt der aus dem Selbst heraus ergangenen Worte die hintergründige Identität des Sprechers mit dem universalen Selbst erkennen lässt. Anders nun die nichtselbstliche Welt, die in blinder Beziehungslosigkeit alles zum Extrem verkehrt macht. Entweder liebt sie Gott und hasst die Welt, oder sie liebt die Welt und hasst Gott.

Wer aber aus dem freiheitlichen Selbst ist, dem ist generell Hass und Extremismus ein Gräuel (043). Und doch lässt die nichtselbstliche Welt in der Bekämpfung des Selbst und allem Selbstlichem keine andere Wahl als zu einer ebensolchen Rückantwort. Nichtsdestotrotz sind ganz im Gegenteil alle verletzenden Herabwürdigungen vergebend hinzunehmen. Denn mit Zeitweltende - zum Nichtsein alles Nichtselbstlichen für das Nichts - wird dann von der Schmach nichts mehr übrig sein. Die in Zeit und Welt unaufhörliche Lästerung gegen den Heiligen Geist bedeutet sozusagen eine Vorprogrammierung auf die Selbstverschließung beim gerichtlichen Anklageanruf des Herrn. Damit kommt man unweigerlich auf der Nichtselbst-Seite von sich selbst zu stehen, welche ja zum Nichtsein bestimmt für das Nichts gebraucht wird (044).

Die Eltern wollen regelmäßig für ihre Kinder nur das Beste. Und das betrifft ebenso regelmäßig bei materieller Weltbefangenheit den Beruf, die Karriere und das Einkommen. Selbst-Suche-Bestebungen der Kinder haben da keinen Platz, und werden als Weltfremdheiten rigoros abgelehnt. Auf diese Weise erhält der ernsthafte Selbst-Sucher als ein krasser Außenseiter überraschend seine engsten Angehörigen zu seinen Intimfeinden (055, 101). Doch trotz der hierbei notwendig werdenden Abstandsnahme von der Familie, müssen Liebe und Zuneigung zu allen unverändert erhalten bleiben. Denn auf der zeitvollendeten Kehrseite des Daseins hat man sie ja in ihrer je eigenen Vollkommenheit wieder um sich.

 
 
 

 

042) Jesus: Werdet Vorübergehende!  Anforderung

087) Jesus: Elend ist der Leib, der abhängig ist von einem Leibe. Und elend die Seele, die von diesen beiden abhängt.  Anforderung

112) Jesus sprach: Wehe dem Fleisch, das von der Seele abhängt! Wehe der Seele, die vom Fleisch abhängt!  Anforderung

Gemeinsamer Nenner:

Die Abhängigkeit von den weltlichen Gütern und Genüssen lässt keine Abkehr zu Geistseelischem zu, und führt daher in das mit Zeitweltende besiegelte Nichtsein.

Wer sich in dieser Zeitwelt häuslich einrichtet, macht sich bewusst oder auch unbewusst quasi von Haus und Einrichtung geistseelisch abhängig, was regelmäßig einer sicherungslosen Selbst-Suche entgegensteht (042). Das bezieht sich auch auf alle gesellschaftlichen und menschlichen, ja sogar partnerschaftlichen Beziehungen, bis hin zur Hörigkeit (087). Eine jegliche wie auch immer geartete Abhängigkeit ist bei der Selbst-Suche hinderlich, und vereitelt schließlich den Erfolg (112). Deswegen gilt es, in absolut Allem Abhängigkeiten zu vermeiden, und sich gegebenenfalls - so weit möglich - eine freie Persönlichkeitsstruktur zuzulegen.

 
 
 

 

045) Jesus: Vom Dornstrauch erntet man keine Trauben, und vom Weißdorn pflückt man keine Feigen; sie bringen kein Obst. Ein guter Mensch bringt Gutes hervor aus seinem Vorrat, und ein schlechter Mensch bringt Schlechtes hervor aus seinem Vorrat, der im Herzen ist. Aus dem Überfluss seines Herzens bringt er Böses hervor.  Anforderung

047) Jesus: Kein Mensch kann auf zwei Pferde steigen oder zwei Bögen spannen, und kein Knecht kann zwei Herren dienen, oder er achtet einen und missachtet den anderen. Auch näht man keinen alten Lappen auf ein neues Kleid; denn sonst entsteht ein Riss. Niemand trinkt alten Wein und will dann sofort neuen trinken. Den neuen Wein gießt man nicht in alte Schläuche, damit sie nicht platzen, und in einen neuen Schlauch gießt man keinen alten Wein, damit der neue Schlauch nicht den alten Wein verdirbt.  Anforderung

Gemeinsamer Nenner:

Weil das Dasein gemäß seiner Binarität bei Vereinheitlichung einer rückkoppelnden Urscheidung bedarf, ist die Polarität definitiv die Selbstgrundlage des Seins. Dadurch muss jeder Pol in seiner Reinheit der bleiben, der er ist, damit das Ganze so sein kann, wie es sich aus der funktionalen Zusammenwirkung seiner bestandsbildenden Pole ergibt.

Die direkte Folge der Binarität des Nichts und Seins ist die darum generell sich aus solcher Polarität aufbauende Welt, wie wir sie mit allen Sinnen zu erfahren bekommen. Wesentlich ist dabei, dass die Polarität in allem immer gewahrt bleibt, da sonst alles in sich zusammenbrechen würde. Die Polarität von Leben und Tod leitet sich von der weltgrundlegenden Binarität des Nichts und Seins ab, so dass man sich bei der Wahlmöglichkeit von Leben oder Tod dem Selbst oder Nichtselbst zuwenden kann.

Als kluger, dem Leben zugewandter Mensch sollte man wissen, dass das Nichtselbst in seiner vollzugsgemäßen Endlichkeit gegenüber dem sich zur Vollzogenheit vollziehenden Selbst nichtige Leiche ist. Somit sollte man sich in der Zeitwelt rechtzeitig um den überlebensnotwendigen Kontakt zum Selbst bemühen. Binaritätsgemäß ist ja beim Selbst und Nichtselbst auch ein Dazwischen systemisch ausgeschlossen ( 045, 047).

 
 
 

 

051) Die Jünger fragten Jesus: Wann wird die Ruhe der Toten eintreten, und wann wird die neue Welt kommen? Er antwortete: Die Ruhe, welche ihr erwartet, die ist ja schon gekommen. Nur erkennt ihr sie nicht.  Ziel und Anforderung

052) Seine Jünger sagten zu ihm: In Israel haben vierundzwanzig Propheten gesprochen, und alle sprechen durch dich. Er antwortete: So wendet ihr euch von mir "dem Lebendigen" ab, und redet stattdessen von den Toten.  Anforderung

053) Seine Jünger fragten ihn: Ist die Beschneidung nützlich oder nicht? Er aber sprach zu ihnen: Wäre sie nützlich, dann würden Männer von ihrem Vater schon im Mutterleib beschnitten gezeugt.  Anforderung

Gemeinsamer Nenner:

Der Zeitweltlauf ist kreisförmig, weshalb sich dessen Anfang und Ende in einem Punkt schneiden müssen. Diese Schnittstelle ist darum überzeitlich und final-kausal. Zugleich sind der Kreis und seine Selbstschnittstelle sowohl Gegenpole, als auch deckungsgleich. Der Widerspruch löst sich mit einer Kehrseitigkeit von ablaufgemäßem Vollzug und abgelaufenheitsweiser Vollzogenheit auf. Denn Kehrseiten sind ja die zwei deckungsgleichen aber gegensätzlichen Seiten einer einzigen Medaille. Logisch, dass da keine Seite die andere erkennen kann.

Ob sich Jesus in 051 auf die Zeitwelt, oder aber auf die Ewigkeitswelt bezieht, ist nicht ersichtlich. Jedenfalls haben beide Kehrseiten ewigen Bestand, weil die Binarität nun einmal eine wechselseitige Bedingung ist, wo das Sein des einen vom Sein des anderen abhängt. Und das auch, wenn darin systemisch der einen Seite das Nichts, und der anderen das Sein zufällt. Das Nichts muss es geben, damit es auch das gegenteilige Sein geben kann. Bei der nun verrückt anmutenden Frage, welches Sein denn ein Nichts haben kann, ist eben auf den Vollzug zu verweisen. In seinem wesensmäßigen Ablauf markiert er tödliches Nichts. Solange er aber läuft, bildet die hier vollständig verborgene Vollzogenheit das zugehörige Nichts. Damit aber liegt der unglaublichste Trick der Natur im Dienste des Seins vor. Nämlich, dass sich beide Kehrseiten das bestandsnotwendige Nichts zu ihrem als Nichtselbst und Selbst bestehenden Dasein sind. Denn jede Kehrseite basiert ja in ihrer Gegenständlichkeit auf der Binarität des Nichts und Seins, bzw. der übergreifenden Einheit als solcher (051).

Es gibt nichts, das sich mit dem universalen Selbst vergleichen ließe. Weil eben die Personifizierung des Alls in einem Menschen - zum universalen Selbst - von daher nur einmalig bzw. total und singular sein kann. Dennoch ist dieses Selbst wegen seiner Allvergegenständlichung auf eben das All ausgedehnt, und damit innerhalb des Universums als solches nicht zu erkennen. Demzufolge werden die in die Zeitwelt eingebundenen Menschen dem Selbst regelmäßig mit ihren nur fünf Sinnen nicht begegnen können (052). Doch wie schwierig mit ihnen bereits schon die Erfassung einfachster Naturgegebenheiten sein kann, zeigt Jesus in 053) sehr deutlich. Der offenbare Sinn ist hierbei, dass die natürliche Ordnung des Lebens von keinerlei rituellen Abartigkeiten der Menschen zu durchkreuzen ist.

 
 
 

 

046) Jesus: Von Adam an ist unter den von Frauen Geborenen keiner, der Johannes den Täufer übertrifft, und der vor ihm nicht die Augen senken müsste. Aber ich sage euch: Wer ein Kind wird, der wird das Reich erkennen und Johannes übertreffen.  Anforderung

060) Da war einer aus Samarien, der ein Lamm trug und nach Judäa ging. Jesus fragte nun seine Schüler: Was will der mit dem Lamm? Sie antworteten ihm: Es schlachten und essen. Er aber entgegnete ihnen: Solange es lebt, wird er es nicht essen. Doch erst dann, wenn er es tötet, und es eine Leiche geworden ist. Und sie sagten: Anders wird er es nicht machen können! Daraufhin sprach er zu ihnen: Sucht auch ihr einen Ort, um auszuruhen, damit ihr keine Leichname werdet, und man euch isst!  Anforderung

063) Jesus: Es war einmal ein reicher Mann, der viel besaß. Der plante: Ich will mein Vermögen einsetzen, um zu säen und zu pflanzen, zu ernten und meine Speicher zu füllen mit Früchten, auf dass mir nichts fehle. So dachte er in seinem Herzen und starb noch in der gleichen Nacht. Wer Ohren hat, der höre.  Anforderung

Gemeinsamer Nenner: 

Es gilt die vergehende Zeit zu nutzen. Indem man bei der Selbst-Gefundenheit über die Allspiegelung Anteil am All-Leib Christi erhält, wird dies bei Zeitweltende den eigenen Tod überholend zum Tragen kommen.

Der Unterschied zwischen Johannes dem Täufer und der Erkennung des Selbst ist schlicht und einfach der, dass es unter den todgeweihten Anhängern des Herrn keinen dienstbeflisseneren Knecht gab. Er nahm ja während Jesu Verkündigung als einziger für seine fanatische Glaubensüberzeugung Verfolgung und Tod auf sich. Doch die alles übertrumpfende Teilhabe am All-Leib des Herrn durch Findung des Selbst bei sich selbst, erst die lässt den Tod zu ewigem Leben überwunden sein. Das konnte der Täufer nun mal nicht vorweisen (046).

Die Aufhebung des weltgrundlegenden Unterschieds durch die Vereinheitlichung zwingt in die Urscheidung zur Wiederherstellung des Unterschieds. Ohne einen menschlichen Handlungsrahmen geht das aber nicht, weil dazu Wille und Tat gebraucht werden, wozu eben nur der Mensch in der Lage ist. Aber auch der Mensch hängt nicht kausalitätslos in der Luft, sondern bewegt sich gemäß Adam und seiner Verkörperung des Alls als Selbst, in eben dem Kreislauf mit Anfang und Ende. Anfang und Ende müssen Gegenteile sein, denn nur dann sind sie voneinander zu unterscheiden. Von daher gibt es im alles verkörpernden Selbst die personalen Gegenteile eines anfänglichen satanischen Nichtselbst und eines schlussendlichen göttlichen Selbst. Naturgemäß entfällt dabei auf den Anfänger das Versagen und auf den Beendiger die Erfüllung. 

Fazit: 

Suche das universale Selbst, denn es ist der Ort, an dem du nicht sterben und gefressen werden kannst (060).

Der Anfänger wandelt sich also kreislaufgemäß zum Beendiger, und stirbt solchermaßen in den Beendiger hinein, der wiederum in umgekehrter Weise aus dem Anfänger auferstehend mit dem letztendlichen Tod des Anfängers zum Leben auferstanden ist. Das ist ergo ein klassischer Überblendungsvorgang vom einen Ende ins andere, mit einer gemäß Vollzug sich am Schluss ergebenden Satans-Leiche sowie einem Gott-Auferstandenen! Wem das nicht klar wird, und wer sich darauf nicht einstellt, dem wird es dann so ergehen wie demjenigen in (063).

 
 
 

 

048) Jesus: Wenn zwei im selben Haus miteinander Frieden machen, dann befehlen sie dem Berg, anderswo hinzugehen, und er geht woanders hin.  Befähigung und Anforderung

067) Jesus: Wenn einer das All erkennt, aber sich selbst nicht, so verfehlt er alles.  Befähigung und Anforderung

070) Jesus: Was ihr in euch erzeugt, das wird euch, wenn ihr es habt, retten. Was ihr nicht in euch erzeugt, das wird euch - wenn ihr es nicht habt - umbringen.  Bewahrung und Anforderung

106) Jesus sprach: Wenn ihr aus zweien eins macht, dann werdet ihr Söhne des Menschen. Und wenn ihr dann dem Berg befehlt, sich wegzuheben, so wird er verschwinden.  Befähigung und Anforderung

Gemeinsamer Nenner:

Die Fusion! Zum einen mit dem spirituellen Jesus, und zum anderen mit dem irdischen Partner. Die sozusagen hochzeitliche Hingabe eines bereits selbst-gefundenen Partners an den noch selbst-losen Partner verwirklicht im Selbst-Gefundenen die Vereinheitlichung zur Selbstschnittstelle des Daseins. Entstanden ist so der ganzheitlich kosmische Mensch mit der Befähigung zur Allmacht, und heißt bekanntlich Adam, oder auch Erster und Letzer.

Ohne die Auffindung des Selbst in sich selbst kann es keine Teilnahme am All-Leib des Herrn geben. Weil aber dazu eine geistseelische Selbstentleerung Voraussetzung ist, die man selbst zu leisten hat, ist die darauf folgende Fusion mit Jesus bzw. dem Selbst, etwas, das man mit seiner Entleerung und Anbetung selbst erzeugt hat 070)

Die Voraussetzung zu einer Erlangung der Allmacht ist die Verbindung von Mann und Frau zum vereinheitlichten Menschen. Erst mit solcher Ganzheit zum kosmischen Adam kann die Allmacht möglich sein. Und erst mit einer Verfügungsgewalt über den Kosmos kann von einer Allmacht gesprochen werden. Von daher ist also der Berg ein Symbol für die den weltgrundlegenden  Unterschied aufhebende Vereinheitlichung, mit der Notwendigkeit zu seiner Wiederherstellung durch Urscheidung (048, 106).

Mit der Selbst-Gewordenheit geht zwar eine Selbsterkennung zum All einher (= Eine neue Welt ist entstanden! Und ich bin sie!), aber nicht die Erkennung der Aufhebung des weltgrundlegenden Unterschiedes. Dazu ist ein fremder, ein der ungleichen Paarverbindung (= selbstlicher und nichtselbstlicher Partner) entspringender Impuls erforderlich. Er liefert das bitter notwendige Motiv für die Urscheidung (106), an dessen Ende Adam sich infolge seiner Selbstbewältigung zum Herrn über sich selbst erkennt. (Doch erst wenn die Zeitwelt schließt, ist Adam die Selbsterkennung als Universum gestattet, sowie damit verbunden die Selbstbekundung zum "all-einigen" Herrn und Gott seines er selbst seienden Universums) (067).

Mit dem vollendet allmächtigen Selbst ergibt sich, dass alles jemals in der Zeitwelt vorhanden Gewesene, gemäß seinem Sein als das Universum in Person, in ihm zur jeweiligen individuellen Vollendetheit mitenthalten ist. Dies wird ja mit der alles Dasein aufspaltenden Urscheidung als das in Nichts und Sein trennende Schöpfungsgericht geleistet. Sein Urscheidungswort (= Satan weiche!) bewirkt, dass alle ansprechbaren Menschen aller Zeiten der Binarität des Daseins entsprechend, sich in sich selbst polarisieren müssen. Mit einer schuldeingestehenden Bitte wird der rettende Selbst-Bezug hergestellt (070). Und mit einer schuldabweisenden Verschließung hat man sich an das Nichtsein ausgeliefert.

 
 
 

 

072) Es bat jemand Jesus: Sag meinen Brüdern, sie sollen das Erbe unseres Vaters mit mir teilen! Darauf Jesus: Mensch, wer hat mich zum Teiler bestellt? Dann wandte er sich an seine Schüler und sprach zu ihnen: Bin ich etwa einer, der teilt?  Anforderung

073) Jesus: Die Ernte zwar ist groß, aber nur wenige Arbeiter sind da. Darum bittet den Herrn, dass er zur Ernte genügend Arbeiter schickt!  Anforderung

074) Jesus: Herr, viele drängen sich um den Brunnen, aber noch niemand ist an den Brunnen herangetreten.  Anforderung

088) Jesus: Gesandte und Propheten kommen und geben euch das Eure. Gebt ihr ihnen, was in euren Händen ist, und fragt euch, wann sie kommen, um das Ihre zu empfangen!  Anforderung

089) Jesus: Warum wascht ihr das Äußere des Bechers? Versteht ihr nicht, dass der, der das Innere gemacht hat, auch der ist, der das Äußere gemacht hat.  Anforderung

090) Jesus: Kommt zu mir! Denn sanft ist mein Joch und mild meine Herrschaft, und ihr findet für euch Ruhe.  Anforderung

093) Jesus: Was heilig ist, das gebt nicht den Hunden, damit sie es nicht in den Dreck ziehen! Werft keine Perlen vor die Schweine, die nichts daraus machen!  Anforderung

095) Jesus: Wenn ihr Geld besitzt, dann leiht nicht auf Zinsen, sondern gebt das Geld dem, von dem ihr es nicht zurückbekommt.  Anforderung

100) Jesus: Man zeigte Jesus eine Goldmünze und sagte ihm: Beamte des Kaisers fordern Steuern von uns. Er aber sprach zu den Leuten: Gebt dem Kaiser, was seines ist. Gebt Gott, was Gottes ist. Und was mein ist, das gebt mir!  Anforderung

104) Die Leute sagten zu Jesus: Komm, lass uns heute beten und fasten! Jesus aber sprach: Was für eine Sünde habe ich denn begangen? Wessen bin ich überführt? Ist der Bräutigam erst aus dem Brautzimmer gegangen, dann lasst die Leute fasten und beten.  Anforderung

Gemeinsamer Nenner:

Die Zeitwelt steht im polaren Gegensatz zu ihrem überzeitlichen Selbst, entsprechend der Binarität des Daseins zu Nichts und Sein.

Das Ziel der Zeitwelt ist bei ihrer Kreisförmigkeit die Einholung des Anfangs durch das Ende. Erreicht wird dies durch die Selbst-Hingabe an die Partnerin zum vereinheitlicht ganzheitlich kosmischen Menschen. Er ist sodann das neue universale Selbst. Weil noch ohne Selbst-Gefundenheit all diejenigen für ihr Überleben der Einheit mit dem Selbst bedürfen, ist diese Einheit  Jesu erstrangiges Anliegen an sein Publikum (072). Voraussetzung für die zu erlangende Einheit mit dem Selbst ist aber, dass es überhaupt wahre Selbst-Sucher gibt, die Aussichten auf Erfolg haben. Doch gefährden stets die mächtigen zeitweltlichen Einflüsse ihr Vorhaben, weshalb möglichst viele Sucher für die Selbst-Findung aufzurufen sind (073). Dann kann es trotz all der vielen Sucher passieren, dass es aus den unterschiedlichsten Gründen keiner schafft (074). Dann sollte man von Berufs wegen verpflichtete Sucher aus z.B. kirchlichen Organisationen und ähnlichem, bei ihrer Arbeit unterstützen (088). Aber auch die befinden sich oft mit ihren liturgischen Riten und Gebräuchen in schier unüberwindlichen Abhängigkeiten, um in sich selbst das Selbst erfolgreich suchen und finden zu können (089). Dabei hilft es leider auch nichts, auf die Qualitäten des Lebens bei Gott hinzuweisen (090). Worauf aber hinzudeuten ist, dass derjenige, welcher bei seinen Selbst-Bemühungen wertvolle Erkenntnisse gewonnen hat, diese nicht unter Wert veräußert (093). Des weiteren ist es hilfreich, sich bei seiner Selbst-Suche in Opferungen zu üben, was regelmäßig den Bemühungen eine fördernde Ernsthaftigkeit verleiht (095). Und wer problemlos Welt und Selbst auseinanderhalten kann, um seine Selbst-Suche nicht zu gefährden, der kann bei solch seltener Überlegenheit auch mal den zeitweltlichen Anforderungen gerecht werden (100). Fasten und Beten ist jedoch nichts für das freiheitliche Selbst des Daseins, weil sich ja in ihm bereits schon alles zu seiner Vollendetheit erfüllt hat. Wenn dagegen den unfrei-unvollendeten Leuten danach verlangt, und wenn es ihnen denn auf ihrem Wege hilft, dann sollen all diejenigen soviel beten und fasten, wie sie wollen und vertragen (104).

 
 
 

 

108) Jesus: Wer von meinem Mund trinkt, der wird wie ich, und ich selbst werde er, und das Verborgene wird ihm offenbar.  Lohn und Anforderung

110) Jesus: Wer die Welt gefunden hat, und dadurch reich geworden ist, der verzichte dann auf die Welt.  Ziel und Anforderung

111) Jesus: Auch wenn Himmel und Erde untergehen – wer aus dem Lebendigen lebt, der empfindet weder Tod noch Furcht. Denn wer sich selbst findet, der ist über die Welt hinaus.  Lohn und Anforderung

Gemeinsamer Nenner:

Das universale Selbst selbst ist das Reich und die Welt der Ewigkeit. Es in sich zu finden, das öffnet den Zugang zum vollen Daseinsverständnis mit der Anwartschaft auf ein Überleben des Todes und die Fülle ewigen Seins bei Gott.

Die der Selbst-Gewordenheit vorausgehende Selbst-Findung versteht sich als eine personale Aufnahme Jesu in sich zu einer Fusion mit ihm, wobei über die dabei entstehende Deckungsgleichheit zu Jesus - als dem vom Vater eingesetzten Selbst-Mittler - die erkenntnisbringende Allspiegelung zum Vater hergestellt wird (108).

Wer das Selbst in sich findet, der hat auch zugleich die Welt gefunden, weil das Selbst das Universum in Person ist. Sozusagen einen Anteilsschein am universalen Selbst zu besitzen bedeutet dann auch einen Anteil an dessen universaler Fülle zu haben, wobei "die Aktie" erst bei Zeitweltende eingelöst werden kann (110).

Vom Selbst-Gewordenen sollte nach Verlassen der Selbstschnittstelle seine ihm verbleibende Restzeit besser zu einer tiefstgehenden rationalen Verarbeitung all des Geschehenen und Erlebten genutzt werden, anstatt zu einer wertlosen Hinwendung an die Zeitwelt. Ohnehin gibt es ja seine Inthronisierung nur mit dem Zeitweltende, bzw. der dann dabei erfolgenden Umschaltung auf die Ewigkeitswelt (110). Weil der Selbst-Gewordene aus dem Lebendigen lebt, weiß er sich mit absoluter Sicherheit auf der Seite seiner Allmacht, deren Wiedererlangung für ihn nur noch eine Frage der knappen restlichen Eigenzeit ist, mit deren Ablauf dann die Zeitwelt ihr definitives Ende erreicht hat (111).